11. Januar 2015

“Ja, ja das Kalkgestein …” – von Jürgen Mathäß

“Das jahrhundertelange Vorhandensein von Mandelbäumen in der Pfalz könnte man womöglich an alten Gewannenamen erkennen, von denen einige zu Weinlagen wurden. Die Namen können allerdings auch auf andere alte Bezeichnungen zurückgehen. Jedenfalls ist es mit den Lagen, die “Mandel” im Namen tragen, fast so wie mit den Weingütern, die Wolf heißen: es gibt mehrere in der Pfalz. Wer als ein Weingut Wolf (mindestens 4) einen Mandelberg (3) oder einen Mandelpfad (5) sucht, tut gut daran, sich den dazugehörigen Ort zu merken. Zum Beispiel Birkweiler. Da gibt es beides – Wolf und Mandelberg.

Wahrscheinlich ist der Birkweilrer Mandelberg sogar die bekannteste Pfälzer “Mandellage”. Immerhin ist der Mandelberg des Weinguts Dr. Wehrheim vielleicht der berühmteste deutsche Weißburgunder überhaupt, weil er jedes Jahr zum Besten gehört, das aus dieser Sorte auf die Flasche kommt. Zugleich ist damit der Mandelberg eine der bekanntesten Muschelkalklagen.

Burgundersorten, vom Spätburgunder über den Weißburgunder bis zum Chardonnay, lieben Muschelkalk, wie jeder weiß, der aufgepasst hat, als an dieser Stelle die Bourgogne durchgenommen wurde.

So gesehen, könnte man fast meinen, der ausgezeichnete “Muschelkalk” Weißburgunder des Birkweilrer Weinguts Wolf stamme aus dem Mandelberg. Da sieht man aber wieder, wie es beim Wein drunter und drüber geht und schnell Verwirrung entstehen kann. Dieser saftige, nach einem Jahr wunderschön schmelzig gereifte Burgunder stammt nämlich aus dem Kastanienbusch, der eigentlich eher für Rieslinge bekannt ist.

Ab heute, nachdem wir diesen außerdem auch noch recht preiswerten Wein empfehlen, werden unsere aufmerksamen Leser freilich nie mehr vergessen, dass es am Taschbergteil des Kastanienbuschs ein Stück Muschelkalkboden gibt. Schlau, wie die Birkweilrer Winzer sind, haben sie dort die passenden Burgundersorten gepflanzt.”

 

Dieser Artikel von Jürgen Mathäß erschien am 11.01.2015 in der “Rheinpfalz am Sonntag” in der Rubrik “Der Weintipp”


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